Reisebericht: Mit dem Geländewagen durch den Norden Namibias – WESER-KURIER

Wir haben wunderbare Straßen“, sagt der Autovermieter, als er die Schlüssel des Autos – mit Allradantrieb, versteht sich – in die Hand der Urlauber fallen lässt. Und es stimmt. Die ersten hundert Kilometer geht es auf geteerten Straßen an sanften Hügeln und Buschland vorbei. Die schnurgerade Straße verliert sich im blauen Gelb und Blau des Horizonts. Doch nach einer Kurve geht es auf eine Schotterstraße, die Straße zur Sandpiste WIRD. Mehr als 60 Stundenkilometer sind nicht mehr drin. Kein Wunder also, dass in Namibia niemand eine Strecke in Kilometern, sondern grundsätzlich in Stunden angibt.

Massage auf afrikanische Art

Afrikanische Massage nennen die Einheimischen das Durchrütteln auf den Pisten. Und so geht es vorbei an Buschland, das bedeckt von langen gelben Grashalmen ist, rote Hügel wechseln sich mit steinigen, blauen Bergen und trockenen Flussbetten ab. Manchmal suchen Warzenschweine, Paviane und Antilopen am Straßenrand nach Futter. Die Straße führt vorbei an Farmen, den Lindenhof oder Wewelsburg heißen und an Landschaften mit Namen wie Teufelsschlucht, Mariental oder Bismarck. Sie erinnern an die deutsche Vergangenheit Namibias, das von 1884 bis 1915 Deutsch-Südwestafrika hieß und wie viele andere Kapitel auch, nicht gerade ein rühmliches der Deutschen war. Doch die Namibier lassen die Gäste keine Ressentiments spüren, sondern drücken mit einem „I love Germany“ ihre Bewunderung aus.

Bis zur ersten Lodge dauert die Fahrt acht Stunden: Das Malansrus Tented Camp ist idyllisch zwischen roten Bergen eingebettet. Die Gäste werden gebeten, abends feste Schuhe zu tragen, denn im Dunkeln sieht man die Skorpione nicht, die den Weg zum Zelt kreuzen. Am nächsten Morgen fährt Safariführer Mathias Ameb mit den Gästen in den Busch. Wer dort mit einer klassischen Safari rechnet, wird in den Wüstenregionen Namibias enttäuscht. Der Guide macht auf Pflanzen aufmerksam, etwa den Buschmanntee, den die Buschmänner sammeln und damit einen Tee brauen. Die Pflanze scheint verdorrt auf dem Boden zu liegen. „Nimm eine mit und stell sie heute Abend in ein Glas Wasser“, sagt er. Und tatsächlich: Am nächsten Morgen hat die Pflanze sich zu einem rötlich schimmernden Zweig entwickelt. „Es regnet hier meist nur wenige Milliliter im Jahr“, sagt Mathias. „Und das reicht.“

Wandel macht Strauße zur Beute

Nachdem er einen Felsen umkurvt hat, weist er auf drei Strauße hin, die grazil weglaufen. „Strauße kann bis zu 75 Stundenkilometer laufen – allerdings nur geradeaus. Sie sind deshalb eine gute Beute für Löwen oder Leoparden“, erläutert er. Nachdem er durch ein trockenes Flussbett gefahren ist, weist er auf sterben eines Vogels in einem Baum hin. Eigentlich zählt der Strauß nicht unbedingt zu den Beutetieren des Leoparden. „Aber durch den Klimawandel und die daraus resultierende anhaltende Trockenheit sind etwa Antilopen weitergezogen, der Leopard ist aber hiergeblieben und findet weniger zu fressen.“ Deshalb reiße er nun auch Strauße oder die Hunde von den Farmen, sagt er.

Am nächsten Morgen geht es früh weiter. „Ihr braucht sieben Stunden“, gibt Mathias den Reisenden mit auf den Weg. Die roten Berge wechseln von flachen Ebenen zu blauen Hügeln und struppigem Buschland. Giraffen rupfen Blätter von den Bäumen neben der Piste. Stundenlang gibt es kaum Gegenverkehr, vielleicht mal einen Lastwagen oder einen Autobus mit Einheimischen auf der Ladefläche. Der Treffpunkt mit dem nächsten Guide liegt in Fort Sesfontein. Von dort geht es begleitet bis zum Camp. Kurz hinter dem Dorf wird die Schotterstraße zur Sandpiste, in der das Auto heftig schlingert. Nach einer ruppigen Bergüberfahrt öffnet sich eine rote, sandige Ebene. „Das war vor Millionen Jahren ein See“, sagt Safariführer Timo Ronard Kasaona. „Wenn es regnet, wird es hier lehmig.“ Der rote Sand bestehe aus Mineralien und komme mit dem Nebel, der sich fast jede Nacht über die Wüste lege. Zwischendurch hält der Guide an und macht auf ein kleines Wesen am Weg aufmerksam: ein Chamäleon. „Es bewegt sich sehr langsam, hat aber eine lange Zunge, um Insekten zu fangen.“

Ein Camp auf Stelzen

Das Hoanib Valley Camp liegt geschützt in einem Bergeinschnitt mit Blick auf den Hoanib River, der das letzte Mal 2017 Wasser geführt hat, als es in den Bergen regnete. Das Camp ist nachhaltig aufgebaut, das heißt, die Zelte stehen auf Stelzenkonstruktionen. Wege sind mit Steinen gekennzeichnet. Strom wird zum Großteil über Solar erzeugt. „Falls wir das Camp irgendwann wieder abbauen, wollen wir keine Spuren in der Umgebung hinterlassen“, erläutert Timo. Die Camp-Gründer unterstützen außerdem die Stiftung
Stiftung zum Schutz der Giraffen. Guides wie Timo zählen die Giraffen in der Region. Mittlerweile gibt es wieder 164 Tiere.

Wie sehr die Menschen trotz aller Widrigkeiten versuchen, mit den Wildtieren zu leben, zeigt ein Besuch in einem Dorf der Himba. Die Volksgruppe lebt weitestgehend autark. Die Männer züchten Ziegen und wandern mit ihnen über das Land. Die Frauen ziehen die Kinder groß und Pflanzen Mais und Kohl an. Die Felder sind mit robusten Zäunen umgrenzt, um Giraffen und Elefanten abzuhalten. Auch für die Ziegen gibt es Gehege mit hohen blickdichten Zäunen. „Wir haben herausgefunden, dass die Löwen nicht über die Zäune springen, wenn sie nicht sehen, was dahinter ist“, erläutert Timo. Außerdem werden die Großkatzen mit Halsbändern gekennzeichnet. Sind sie in der Nähe, ertönt ein Signal, um die Menschen zu warnen.

Ocker zur Reinigung der Haut

„Mora Mora“, grüßen die Himba. Guten Morgen rufen sie und winken die Reisenden zu sich, sie sollen unter dem Schlag Platz nehmen und aus der heißen Sonne treten. Sie leben in kleinen, runden Lehmhütten. Die Luft drinnen ist stickig, auf einem Stein schwellen Kräuter, die die Insekten vertreiben sollen. Ein Mann hat meistens mehrere Frauen und zahlreiche Kinder, die nicht zur Schule gehen. „Denn wenn sie zur Schule gehen, wollen sie nicht mehr so ​​leben“, vermutet Timo, der aus einer Himba-Familie selbst stammt, die sich entschieden hat, modern zu leben. Faszinierend ist der Körperschmuck der Frauen. Die Haut reinigen sie mit Ocker. Metallringe um die Fußgelenke schützen vor Schlangen- oder Skorpionbissen. Die Haare sind mit Ocker in Dreadlocks gefasst, der untere Teil ist offen, um die Kinder, die sie auf dem Rücken tragen, vor der Sonne zu schützen.

Auf dem Rückweg zum Camp hält Timo an, und schaut auf den Boden: „Wüstenelefanten“, sagt er. Doch es dauert schnell eine Stunde, bis er sie endlich gefunden hat – friedlich fressend unter einem Maponebaum. Etwa 17 dieser Tiere gebe es noch in der Region, sagt er. Die Wüstenelefanten seien Meister der Anpassung – und eine genetische Besonderheit ist schnell unglaublich: Nachdem die Bestände durch Wilderei schnell ausgerottet wurden, haben die Elefantenkühe plötzlich Kälber ohne Stoßzähne geboren.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Timo fährt mit seinem Jeep vor, immer wieder kreuzt er trockene Flussbetten. Kurz nach einem steilen Anstieg, der Vollgas erfordert, bleibt er abrupt stehen. An einer Wasserquelle trinkt in geduckter Haltung eine Löwin. Nach dem kurzen Stopp geht es weiter. Der Busch wird spärlicher. Bäume machen Sträuchern Platz und die Gräsern. Anschließend hält Timo in einer steinigen Ebene und übergibt an Bonifatius Ruben Awarab von der Shipwreck Lodge.

Mit Quads auf die Dünen

Auf dem Weg zum Camp schiebt sich die Namib-Wüste wie eine riesige Welle ins Land und überdeckt grüne Grasflächen, auf den Oryx-Antilopen-Grasen. Die letzten hundert Meter zum Camp schlingert das Allrad-Fahrzeug heftig im weichen Wüstensand. Bonifatius hatte zuvor Luft aus den Reifen gelassen, damit die Reifen mehr Grip haben. Am Nachmittag geht es mit Quads auf die Dünen. Weit und breit sieht man in Richtung Osten nur Sand, der sich gut bis an den Horizont zieht. Obwohl die Wüste lebensfeindlich wirkt, macht der Guide auf Spuren im Sand aufmerksam: Käfer, Oryx, Schakale und Hyänen. Der Blick von Westen geht Richtung Atlantik, dessen Wellen eine dieser Gischt erzeugen. Die Skeleton Coast geht Hunderte Kilometer von Swakopmund bis an die Grenze Angola. Wer dort mit dem Auto unterwegs ist, sollte immer ein Back-up haben, sagt Bonifatius: genug Wasser, Diesel, Essen sowie im besten Fall einen Begleitwagen. Skelettküste WIRD der Abschnitt genannt, weil dort jahrzehntelang die Knochen von Walen angespült wurden, die auf See geschlachtet wurden. Auch Wracks von Schiffen und Flugzeugen findet man dort. „Die Seeleute dachten, sie hätten das rettende Ufer erreicht und vor der Wüste gestanden.“

Durch die geht es am nächsten Tag Richtung Swakopmund. Die Hitze flimmert auf der Straße, zieht Schlieren in die Höhe – und der Blick richtet sich auf einen nicht enden wollenden Horizont. Mit dem richtigen Back-up wirkt die Wüste gar nicht öde, sondern faszinierend und meditativ.

Zur Sache

Selbstfahrerreise in Namibia

Anreise: Ethiopian Airline fliegt mit Zwischenstopp in Addis Abeba von Frankfurt nach Windhoek.

Einreise: Touristen aus Deutschland dürfen ohne Visum bis zu 90 Tage im Land bleiben.

Beste Reisezeit: Die besten Monate an der Küste Namibias sind Oktober bis März.

Versorgung: Tankstellen dienen als kleine Supermärkte. Dort bekommt man alles von Tabletten, Wasser und Postkarten über Chips bis zu Tütensuppen, Bier und Safarihüten. In den dazugehörigen Cafés darf man keine kulinarischen Köstlichkeiten erwarten, eher deftige Küche mit Schnitzel und Würstchen. Vegetarier haben es in Namibia eher schwer.

Rundreise: Enchanting Travels zeigt Beispiele für Rundreisen im Internet, aber die Reisen sind individuell. Eine zweiwöchige Selbstfahrerreise „Höhepunkte des Nordens“ kostet ab 3090 Euro pro Person. Infos unter Telefon 089 / 20 19 41 48, Web: www.enchantingtravels.com, E-Mail: kontakt@enchantingtravels.de

Infos unter www.namibia-tourism.com.

Die Info

Die Reise wurde unterstützt von Enchanting Travels und vom Namibia Tourist Board.


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Quelle: news.google.com

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